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Berggipfel in Nepal

Nepal: Zwischen Müll und Spiritualität, 2000 - 2004

Natürlich Nepal. Kaum ein Land regt so unsere Fantasie an wie dieser kleine Staat im Himalaya. Wir wollen eine Landschaft erleben, wie sie war, bevor die Menschen kamen. Die höchsten Berge der Welt, Menschen, die an der Grenze zum Himmel in traditioneller Spiritualität und Naturnähe leben, Landschaften im klaren Licht. Solche Vorstellungen startet unsere Fantasie, wenn wir das Wort Nepal hören.

Manche haben auch Bilder von Trägerkolonnen in ihrem Kopfkino. Menschenkarawanen, die durch endlose Täler ziehen, auf Hängebrücken über reißende Flüsse balancieren, sich mit dürftigen Schuhen auf Gletscher wagen. Bilder von Zelten im Sturm. Von Menschen, die atemlos im Schnee versinken, den Blick nach oben richten und nicht aufgeben, bis sie am Gipfel sind. Nach Orten streben, an denen noch nie ein Mensch war. Auf manche Menschen haben die höchsten Berge eine besondere Anziehungskraft. Sogenannte extreme Bergsteiger werden als Menschen der Tat verehrt, die ihre Träume leben, ihre Grenzen überwinden, die Welt erobern, das Beste im Menschen verkörpern.

Es ist eine bunte Mischung von Vorstellungen und Ideen, die Nepal so anziehend macht. Klar ist Tibet an der ersten Position, wenn es um mystische Landschaften, Entrücktheit von der Welt, Spiritualität, Ursprünglichkeit, wilde Natur und solche Sehnsuchtsdinge geht. Zumindest in mancher Menschen Fantasie nimmt Tibet, das Dach der Welt, wie man so sagt, diese besondere Stellung ein. Aber Tibet ist tatsächlich seit über 70 Jahren eine chinesische Provinz, Lhasa erreichen wir heute mit der Bahn. Bevölkerung und Kultur werden von China gewaltsam unterdrückt. Allerdings gilt auch: Die Gesundheitsversorgung ist gewährleistet, es gibt Bildung, Tibeter hungern und frieren nicht mehr, für Müllabfuhr und elektrischen Strom ist gesorgt. Trotzdem ist das Land nur mit größerem Aufwand und unter staatlicher Kontrolle zu bereisen. Dann doch lieber Nepal.

Unsere Vorstellungen von der Natur spielen bei solchen Reisezielen ein besondere Rolle, wir haben Sehnsüchte und Erwartungen an die Natur. Auf was hoffen wir? Was gestehen wir uns ein, wenn wir ehrlich mit uns sind?

Unser Gedächtnis ist eine Geschichtenmaschine, mit der wir Berichte und Erinnerungen über uns selbst abgeben können. Was von diesen Geschichten stimmt oder erfunden ist, lässt sich meist nicht sicher klären. Wir suchen nach Erzählungen, in denen wir selbst positiv wirken.

Vor über zwanzig Jahren, im Jahr 2000, bin ich zum ersten Mal nach Nepal gereist. Zwei weitere Reisen in dieses Land folgten. Später besucht ich noch Ladakh, eine Region im indischen Himalaya. Bei den Nepalreisen war Christiane dabei, damals waren wir verheiratet. Unsere erste Reise war ambitioniert. Wir hatten beide keine Ahnung von Nepal, wollten aber in Eigenregie einen Berg mit über 6000 Meter Höhe besteigen, ohne Gruppe, ohne Reiseleiter. Der erste Anlauf, nur die Buchung eines Flugs, scheiterte. Das Reisebüro wurde zahlungsunfähig, Buchung und Anzahlung waren verloren.

Den zweiten Anlauf machten wir über einen kleinen Reiseveranstalter, der uns beriet, telefonisch, individuell. Flugtickets zu dem gewünschten Termin könne er besorgen. Was wir vorhätten in Nepal, nach der Landung in Kathmandu. Wir wollten zu einem Lodge Trecking direkt am Stadtrand der Hauptstadt starten. Unser Ziel waren die Seen von Gosainkund in der Langtang Region. Mit dem Bus wollten wir, nach dem Abstieg zu einer Siedlung, die über die Straße zu erreichen war, zurück nach Kathmandu fahren. Das Trecking, so dachten wir, können wir ohne Träger und Führer, wie eine Hüttenwanderung in den Alpen angehen. Unser zweites Ziel sei der Mera Peak, Höhe 6470 Meter. Ausgangspunkt Lukla, das Tor zur Khumbu Region, Sherpa Land. Das ist bis heute auch der Ausgangsort für alle, die sich von nepalischer Seite auf den Weg zum Mount Everest machen. Der Veranstalter hörte sich das gelassen an. Klar sei der Berg für Alpinisten mit Vorerfahrung machbar. Von Lukla aus liege aber erst einmal ein Anmarsch zum Berg vor uns, für den wir mit einer Woche kalkulieren sollten. Das sei ohne Unterstützung kaum zu machen. Wir müssten ja auch eine komplette Hochtourenausrüstung mitschleppen und etwas gegen die Kälte. Der Berg gelte zwar trotz der Höhe als ein nicht allzu schwerer Treckinggipfel, die ganze Unternehmung sollten wir aber als Expedition sehen. Er schickte uns ein Angebot, das wir akzeptierten, Die Kosten waren überschaubar. Für uns erwies es sich als Glücksfall. Für unsere Reise hatten wir jetzt eine Hintersicherung, eine freie Zeiteinteilung und mussten uns nicht mehr um Formaltäten kümmern. Für den Berg hätten wir sonst selbst ein Permit einholen müssen, es gab auch die Auflage, einen Climbing Sherpa zu verpflichten.

In Kathmandu wurden wir vom Flughafen abgeholt und ins Hotel gebracht. Am Abend fand ein Briefing statt, mit etwa einem Dutzend weiterer Menschen, die am nächsten Tag zu einem geführten Trecking aufbrechen sollten. Auf unserem Tisch stand ein Schild „Mera Peak Expedition“. Sollte uns das peinlich sein? Waren wir stolz, ein bisschen besonders zu sein?  Zu briefen gab es nicht viel. Für uns gebe es in einer Woche wieder eine Hotelreservierung.  Bis dahin seien wir ja auf dem Langtang Treck, in Eigenregie, viel Spaß auch.

Am übernächsten Morgen brachen wir auf. Jeder mit einem Rucksack, gepackt wie für eine Hüttentour in den Alpen. Ein Taxifahrer transportierte uns an den Stadtrand, Sundarijal, der Fahrer kannte die Stelle. Die Straße endete, eine Steintreppe führte einen steilen Hang hinauf. Kathmandu liegt in einem Talkessel in 1300 Meter Höhe, über der Stadt hängt beständig Smog. Mit dem Höhersteigen fällt das Atmen leichter, die Smogglocke lassen wir unter uns. Auf 2400 Meter flattern die ersten Gebetsfähnchen über dem Weg, unser erster Passübergang. Der Weg ist einfach zu finden. Alle Bewohner der Gegend, die nach Kathmandu wollen oder die von dort zurück in ihre Dörfer gehen, benutzen ihn. Gepäck wird getragen oder auf Tragtieren transportiert. Chisopani, Pati Banyang, Chipling heissen die ersten Orte durch die wir kommen. Im Letzten finden wir eine Lodge, in der wir unterkommen. Eine Kammer mit zwei Bettgestellen und dünnen Matratzen, Schlafsack drauf, fertig. Zu essen bekommen wir auch, Dal Bhat, Linsen mit Reis.

Diese Gericht begleitet uns seither in den verschiedensten Varianten. Seit einigen Jahren servieren es auch die Wirte in Allgäuer Berghütten. Immer öfter findet man Menschen aus Nepal, die in den Hütten unserer Alpen als Saisonkräfte arbeiten, inzwischen haben einige auch die Leitung des Betriebs übernommen. Im Grunde kenne ich dieses Essen seit der Kindheit. Im Schwäbischen gibt es Spätzle statt Reis und als Beilage Saitenwürstle, wenn man welche hat.

Den Smog im Talkessel von Kathmandu haben wir unter uns zurückgelassen, das Atmen wird freier, das Gehen fällt leichter. Wir finden das Land dicht besiedelt, die steilen Hänge sind bis hinauf zu den Bergkämmen terrassiert. Auch die schmalsten Streifen werden genutzt, dazwischen sind Häuser an die steilen Flanken gebaut, meist solide Steinbauten. Wir steigen steile Pfade bergauf und bergab, oft machen erst steinerne Treppen die Wege gangbar. Wir queren Bergflanken, überschreiten Pässe, steigen steil hinab in tiefe Täler, nur um auf der gegenüberliegenden Seite wieder in die Höhe zu müssen. Am zweiten Tag erreichen wir schon eine Höhe von 3280 Meter. Auch in dieser Höhe ist noch alles dicht bewachsen, grün, Wald und Buschwerk wo keine Landwirtschaft betrieben wird. Neun Stunden Gehzeit, 1800 Höhenmeter im Aufstieg, finde ich für den zweiten Tag in meinem Tourenbuch.

Dörfer, Kinder, Tiere, Geschäftigkeit. Keine Kraftfahrzeuge, nirgends. Das Krähen der Hähne am Morgen blieb im Gedächtnis haften. Ziegen auf Steinmauern. Ab und zu Rinder, deren Größe verwirrt. Es dauerte einige Zeit, bis ich begriff, dass es keine Kälber waren, sondern ausgewachsene Tiere. Höchstens halb so schwer wie die Milchkühe im Allgäu. Später lernte ich, dass auch die Hausrinder in unseren Bergen ursprünglich nur die Größe hatten, die wir hier sahen. Unser Bedürfnis nach Fleisch, Milch und Profiten hat zu den Züchtungen geführt, die wir aus unserer Landwirtschaft kennen. Naturgemäß sind die Tiere bei uns nicht.

Wir waren mehrere Tage so unterwegs. Immer zu Fuß, immer durch besiedelte Regionen. Wir fanden an allen Orten freundliche Menschen, Getränke, Mahlzeiten, Übernachtungsplätze. Ohne Reservierung und ohne genaue Planung, in Nepal gelte „No Problem“ durften wir erfahren. Mit wachsendem Abstand von Kathmandu und zunehmender Höhe änderten sich religiöse Symbole. Die Bevölkerungsmehrheit in Nepal ist hinduistisch. Der Götterkosmos dieser Glaubensrichtung ist Europäern nur schwer zugänglich. Mit Nepal, mit dem Himalaya verbinden Europäer den Buddhismus als Religion. In Nepal sind Buddhisten eine kleine Minderheit. Der Buddhismus, speziell die tibetische Ausprägung, ist nur in einigen Gebirgsregionen die Religion der Menschen. In abgelegenen Tälern, nahe an Tibet wird noch die Bön-Religion praktiziert, der Vorläufer des Buddhismus in Tibet. Für den umherschweifenden Touristen verwirrend. Der Wanderer begegnet mit zunehmender Höhe immer häufiger Stupas, Gebetsmühlen, Manisteinen und Gebetsfahnen. Auf Passübergängen flattern die bunten Windpferde. Am Horizont lassen sich hinter den nächsten noch grünen Bergketten schon die eisgepanzerten Berge erahnen, Sechs- Sieben- Achttausender. Riesen, die Gipfel dem Himmel nahe. Viele Touristen erleben ein spirituelles Erwachen, wenn sie so weit gekommen sind, so erzählt man sich. Am dritten Tag kamen wir langsam in höhere Regionen. Ein Passübergang lag schon auf 3500 Meter, die letzte Lodge, vor unserem Übergang zu den Seen von Gosainkund, lag 3300 Meter hoch, Immer noch sind wir in besiedeltem Gebiet unterwegs. Die Landschaft ist in dieser Höhe von Almwirtschaft geprägt. In der Nachmonsunzeit, wir sind im November unterwegs, steht der Winter vor der Tür. Die Almen sind geräumt, das Vieh in tiefere Lagen getrieben, die Dächer der Almhütten haben die Hirten abgebaut und ins Winterquartier geschafft.

Mit dem Laurebina La haben wir den höchsten Punkt unserer Akklimatisierungstour erreicht, 4600 Meter hoch. Am Pass steht noch eine Almhütte, winterfest gemacht. Dahinter blicken wir auf die heiligen Seen von Gosainkund hinab, die Seen sind ein Wallfahrtsort für Hindus und Buddhisten. Nebel zieht aus den Tälern herauf, verbirgt die Seen vor uns. Nebelfetzen und die Sonne ringen miteinander, verzaubern die Landschaft, geben immer neue Aus- und Tiefblicke. Wir gehen an einfachen Kultstätten vorbei, in der Pilgersaison Orte für Meditation und Gebet. Ein bequemer Weg führt uns über eine Geländestufe hinab. Dort liegt eine kleine Siedlung, noch weit über 4000 Meter hoch, in der ersten Lodge finden wir ein Quartier für die Nacht. Dichte Wolken hüllen uns am Nachmittag ein. Erst am nächsten Morgen haben wir freie Sicht auf den Hauptkamm des Himalaya, sind geblendet von den weißen Riesen. Die Massive von Annapurna, Manaslu und Langtang können wir identifizieren. Am Horizont die braunen Ebenen und Berge von Tibet. Wir spüren die andere Dimension dieser Gipfel. Auch die höchsten Massive der Alpen können nicht so beeindrucken. Auf den Stufen eines kleinen Tempels sitzt ein Junge. Er hat Mulis bei sich, die gerade auf der Wiese weiden. Er spielt auf seiner Flöte, wirkt versunken in seiner eigenen Welt. Vor uns scheinen die Eisriesen über der Melodie zu schweben. Es gibt wirklich Augenblicke, die verzaubern. Mit diesem Panorama vor Augen führt uns der Weg langsam bergab, schon um die Mittagszeit haben wir eine Lodge gefunden, in der wir bleiben.

Am folgenden Morgen steigen wir weiter ab, erreichen wieder dichter besiedelte Höhen. Wald wächst bald wieder an den Bergflanken. In den Baumkronen sitzen Affen, veranstalten ein Riesenspektakel, als wir unter ihnen durchgehen. Nach einer Woche waren wir zurück in Kathmandu. Die Busfahrt dauerte 10 sehr unbequeme Stunden. Eine Panne, ein platzender Reifen hörte sich wie eine Bombenexplosion an, hielt uns einige Zeit auf.

Am Ende war es so, dass wir eine klassische Treckingtour wie eine Hüttentour in den Alpen gingen. Der Rucksack war leicht zu tragen, den Weg haben wir mit Karte und Beschreibung immer gefunden. Andere Wanderer trafen wir ab und zu, traten uns aber nie auf die Füße. Verpflegung und Unterkunft war leichter zu organisieren als in den Alpen. Natürlich war der Blick auf die Eisriesen und die endlosen Ebenen Tibets einzigartig. Ein Erweckungserlebnis hatten wir nicht.

Auf dem gesamten Weg begleitete uns eine Spur aus Müll. Reste von Verpackungen, manchmal nur Fetzen, PET-Flaschen jeder Größe, Tüten in verschiedensten Verfallsformen, Kisten und Schachteln in Auflösung, Glasscherben. Die Dörfer selbst waren wie frisch gefegt, aber das Umfeld war wie eine Müllkippe. Waren, die erst in den letzten Jahren ihren Weg nach Nepal fanden, meist chinesischen oder indischen Ursprung, hinterließen ihre Spuren. Touristen taten sich beim Transport besonders hervor, und haben einen besonderen Bedarf an diesen Produkten. Die Situation hat sich seither kontinuierlich verschlechtert. Auf der Suche nach ursprünglicher Natur und Spiritualität verwandeln wir Nepal in eine Müllkippe. Über 20 Jahre später gibt es regelmäßig Pressemeldungen wie „Nepal versinkt im Müll“ oder „Der Mount Everest verkommt zur höchsten Müllhalde“. In Kathmandu stinke es heute nicht nur wegen der Abgase, sondern wegen des überall wild lagernden Mülls, hört man. Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.

Nun bereiteten wir den zweiten Teil der Reise vor. Unsere Kleinexpedition zum Mera Peak. Der Sirdar, Chef der Begleitmannschaft, traf uns im Hotel, holte uns am nächsten Tag ab. Ein Inlandsflug brachte uns nach Lukla, dem Eingangstor zur Khumbu Region und zum Mount Everest. Die Piste hatte noch keinen festen Belag, entsprechend ruppig war die Landung. Neben der Piste lag ein Wrack, die Maschine hatte die Landung nicht überstanden. Wir waren mit unserem persönlichen Gepäck gut gelandet. Was noch fehlte war die komplette Ausrüstung für unsere Unternehmung, so konnten wir nicht los. Warten. Dann eine extra Nacht in Lukla, auch interessant. Am nächsten Tag wieder warten. Dann sollten wir loslaufen, mit einem Tagesrucksack bis zum ersten Lagerplatz, unser Begleiter trug eine Lampe. Es werde sich alles regeln. So machten wir es. Kaum waren wir am ersten Lager, stand unser Zelt wie von Geisterhand aufgebaut vor uns, unser großes Gepäck lag davor. Es gab ein Dining Tent, da stand Tee und Gebäck für uns auf dem gedeckten Tisch. Im Küchenzelt werkelten der Koch und die zwei Küchenjungs, dort schliefen die wichtigen Personen unserer Truppe. Die bestand aus 13 Personen, den kompletten Überblick gewannen wir erst am nächsten Morgen. Das hatte der Veranstalter damit gemeint, dass wir im Prinzip auf eine kleine Expedition gingen.

Jeden Morgen setzte sich die Kolonne in Bewegung, 13 Nepali für zwei deutsche Touristen. Unser beider persönliches Gepäck nahm ein Träger, er brauchte dafür nur einen Strick mit einem Band vor der Stirn. Die Standardlast läge bei 15 Kilogramm. Wenn ein Träger zwei davon trug, verdoppelte sich sein Verdienst. Das sei der Standard.

Am dritten Tag des Anmarschs zu unserem Berg spürte ich, wie sich irgendetwas in mir ausbreitete, ich fühlte mich krank. Am Lagerplatz schwankte ich ins Zelt, legte mich in den Schlafsack. Das Fieberthermometer zeigte 39 Grad, zwei Stunden später war der Wert noch höher. Ich liege mit Schüttelfrost im Schlafsack, fiebere vor mich hin, rede dummes Zeug. Christiane versorgt mich mit Aspirin und Tee. Infekte in dieser Höhe, der Platz liegt auf 4350 Meter, sind schwer zu behandeln. Am nächsten Morgen bin ich wieder einigermaßen bei Verstand, fühle mich etwas erholt, die Temperatur ist auf 37,7 Grad, so können wir nicht weiter.

Unterwegs in einer Gruppe würde dieser Zustand bedeuten, dass ich die Tour nicht fortsetzen kann. Wir haben genügend Zeitreserven, bleiben einen Tag am Ort, beobachten die Entwicklung. Watchful waiting, sagt man in der Depressionsdiagnostik. Zwei weitere Aspirin und genügend Flüssigkeit lassen das Fieber über den Tag komplett abklingen. Am nächsten Morgen nehmen wir die nächste Etappe in Angriff. Es sind nur 600 Höhenmeter bis ins nächste Camp, das schaffe ich. Christiane spricht mit mir. Sie will den Gipfel unbedingt versuchen, auch wenn ich nicht mitkönne, gesundheitlich.

Am nächsten Tag haben wir wieder nur eine kurze Etappe auf dem Programm, einige der Träger bleiben zurück. Ziel ist der Mera La, ein Übergang unter dem Gipfelaufbau des Mera Peak, 5400 Meter hoch. Ein zugiger, eisiger Platz. Der Sirdar will dort das sogenannte Base Camp im Eis hinstellen. Christiane will das nicht. Ungefähr 100 Höhenmeter tiefer, auf der unserem Gipfel abgewandten Seite gibt es eine Mulde, eisfrei. Sie überzeugt den Sirdar, dass wir dort das Lager aufbauen, auf Sand und windgeschützt.

Wie weiter? Sirdar und Climbing Sherpa briefen uns. Am nächsten Tag stehe der Aufstieg ins Lager I auf dem Plan, ein langer flacher Gletscher führt dorthin, bei ein paar Felsen werde unser Zelt aufgebaut, Höhe 5600 Meter, vielleicht ein bisschen mehr. Auch das passt nicht in Christianes Besteigungskonzept. Von unserem Lager sind es 1200 Höhenmeter zum Gipfel, der Weg ist komplett einsehbar, ein reiner Eisanstieg, spaltenfrei, soweit man sehen kann. Erst kurz vor dem Gipfel wird es steiler. Christianes Ansage: Das schaffen wir an einem Tag, ohne zusätzliches Hochlager. Dort würden wir nur frieren, bekämen Kopfweh und schlechte Laune. Unser Climbing Sherpa fügt sich in sein Schicksal.

Wir brechen um 2:15 Uhr auf. Der Vollmond blendet uns fast, die Stirnlampen bleiben aus. Es ist windstill, der Himmel klar. Wir sind ganz allein am Berg. Die Steigeisen greifen perfekt im harten Firn. Als wir unter der steileren Gipfelpyramide stehen, gehe ich weiter, so ein Gelände haben wir selbst auf Skitouren oft. Christiane folgt mir. Pemba schmeißt das Seil, das er stundenlang im Rucksack getragen hat, in den Schnee und kommt nach. Enttäuscht, verärgert, nicht wergeschätzt? Um 7:45 Uhr sind wir zusammen oben. Es ist ein Traum Tag, windstill, wolkenlos, ungetrübte Sicht.

Wir stehen inmitten der höchsten Berge unserer Erde: Cho Oyu, Mount Everest, Lhotse, Makalu und Kangchendzönga können wir identifizieren, fast noch eindrucksvoller sind manche Sechs- und Siebentausender in der Runde. Es gibt wenige Plätze auf unserer Erde, die ein solches Panorama bieten. Haben wir uns einen Traum erfüllt? Wir essen und trinken, was der Rucksack hergibt. Nach einer halben Stunde des Staunens und Fotografierens bleibt nur der Abstieg. Um 11 Uhr sind wir zurück am Base Camp. Unsere Mannschaft beglückwünscht uns zum Erfolg. Alle sind hoch erfreut, vor allem, weil sie diesen unwirtlichen Ort nach nur einer Nacht wieder verlassen können. Uns servieren sie noch eine heiße Suppe. Die Teller haben wir noch nicht geleert, da ist das Lager schon komplett eingepackt. Wir genießen jetzt vollständiges bergsteigerisches Vertrauen. Auf dem weiteren Abstieg über den Gletscher lassen uns die Jungs allein und in Ruhe unser Tempo gehen. Wir sind am Nachmittag zurück auf der grünen Wiese, rechtzeitig für Tee und Gebäck. Nach Lukla sind es noch zwei Übernachtungen. Am letzten Pass sind bereits die Motoren der Twin Otter zu hören, die aus Wolkenlücken heraus die Landepiste ansteuern.

Was bleibt, wenn man nach über 20 Jahren das alte Tourenbuch liest? Was steckt hinter solchen Unternehmungen? Können wir ehrlich mit uns sein?

Haben wir ein Grundbedürfnis, die Natur zu erleben und die Welt kennen zu lernen? Zieht uns das Unbekannte magisch an? Treibt uns Neugier, der wir nicht widerstehen können? Christiane hätte so eine Reise nie gemacht, wenn ich nicht Planung und Organisation in die Hand genommen hätte. Andererseits: Einmal unterwegs, gab es bei ihr keine Zweifel an der Unternehmung. Auf den Mera Peak wäre sie auch ohne mich gestiegen, wenn mich der Infekt ausgebremst hätte. Auch bei anderen Gelegenheiten hat Christiane am Ende alles daran gesetzt, den Gipfel zu erreichen.

Die meisten Menschen auf unserer Erde kommen im Laufe ihres Lebens nicht über das nahe Umfeld ihres Geburtsortes hinaus, und sie leiden nicht darunter. Leiden entsteht, wenn man seinen Herkunftsort verlassen muss, weil Kriege, Naturkatstrophen, Klimawandel, Hunger, Rassismus keinen anderen Ausweg lassen.

Was finde ich in der Natur? Lerne ich mich besser kennen? Kann ich in die Tiefe meiner Seele blicken? Ist das so? Auf dieser Nepalreise haben wir sehr viel gesehen. Wir haben gelernt, dass wir in diesem Land gut zu Fuß unterwegs sein können, auch ohne fremde Hilfe. Dass die Menschen hilfsbereiter und freundlicher sind als in Deutschland. Wir haben erfahren, dass wir fit genug sind, um einen Gipfel, fast sechseinhalbtausend Meter hoch, ohne Probleme zu erreichen. Wir hingen nie erschöpft, um Luft ringend über unseren Eispickeln, sind über keine Grenze gegangen. Und wenn es so gewesen wäre? Macht die Erfahrung, gerade noch mal davongekommen zu sein, einen neuen gar besseren Menschen aus mir?

Selbstwertstabilisierung und -erhöhung gilt als Grundbedürfnis des Menschen. Was trägt die Natur, die Erfahrung der Welt, das Bestehen von Herausforderungen zur Befriedigung dieses Bedürfnisses bei? Ist denn die erreichte Höhe in den Bergen der Welt, die Schwierigkeit einer Besteigung ein Gradmesser für die eigene Wertigkeit? Können wir uns das Eingestehen? Erklärt das den Wettbewerb, den wir in den Bergen finden?

Machen wir spirituelle Erfahrungen in der Natur? Kommen wir Gott nahe? Haben wir Erweckungserlebnisse in der Wüste, auf See, auf Gipfeln? Speziell im Himalaya? Wer kann das beantworten? Ich persönlich habe Momente erlebt, die magisch waren, einen besonderen Zauber hatten. Ein gläubiger Mensch bin ich dadurch nicht geworden, im Gegenteil. Wieso unterstellen wir, Menschen im Himalaya, in Tibet, seien tiefgläubig, lebten in göttlicher Nähe, hätten eine besondere Spiritualität? Gibt es dazu belastbare Daten? Vielleicht ist das nur eine Fantasie von Menschen aus dem globalen Norden? Und woher kommt die Idee, man finde dazu automatisch einen Zugang, sobald man sich in die Region begibt?

Sind wir einfach nur Gaffer? Bearbeiten wir Listen wie „1000 Places to see before you die“? Suchen wir Orte auf, die uns aus den Medien bekannt sind, an denen sich schon Dramen abgespielt haben, an denen wir Spektakel vermuten? Die wilde Natur hält ein großes Angebot bereit. Sind wir einfach sensationsgeil?

Oder geht es schlicht um Angeberei, darum andere zu beeindrucken? Wir können auf tiefgehende Reflektionen verzichten, komplizierte Erklärungen weglassen. Lassen wir es dabei, lassen wir Natur, Philosophie, Psychologie und Religion stecken. Nehmen wir uns wie wir sind, als eitle Poser.

Ambitionierte Bergsteiger benutzen gerne die Floskel „ich folge meinem Traum“. Das treibe sie in die wilde Natur, zu den höchsten Berge und schwersten Anstiegen. Und wenn dieser Traum ein Zwang ist? Sind die Träumer nicht in einem Muster gefangen, das ihr Denken und Handeln nicht nur antreibt, sondern blockiert und einengt? Werden sie nicht von einem Dämon getrieben, terrorisiert? Ist der Traum nicht eher eine Notlage, eine Seelenpein? Wäre es nicht gesünder, das Schema aufzugeben, als ihm zu folgen, sich von seinem Dämon zu verabschieden? Allzu oft kommen die Menschen, die ihren Traum leben, elendig um.

Nepal hat sich zu einer Kampfzone entwickelt. Reiche Menschen aus dem globalen Norden jagen dort ihren Träumen nach. Heute mehr denn je. Die Natur des Himalaya ist der Rohstoff dafür, das Spirituelle die besondere Würze. Auch der höchste Berg des Planeten ist ein touristischer Hot Spot geworden, das Ziel wird vermarktet, wie alle Bereiche unseres Daseins, mit denen sich Profite erzielen lassen. Bemerkenswert sind Fotos von Menschenschlangen, die vor dem Everest Gipfel stundenlang wartend im Stau stehen. Beschämend die Videos von Menschenkolonnen, die am K2 achtlos über einen sterbenden Hochträger steigen, der ihren Aufstieg zum Gipfel stört. Niemand hat ihm geholfen. Gleichzeitig ist kein Aufwand und kein Risiko zu groß, die Leichen von Bergsteigern aus dem globalen Norden zu bergen, die dabei umkamen, als sie sich ihren Traum erfüllen wollten.

Eigentlich. Ja, wir hatten bei unserer Himalaya Reise mehr erlebt und gesehen als es den meisten Menschen vergönnt ist. Eigentlich waren wir beide einigermaßen trainierte und erfahrene Freizeitbergsteiger, die in den Alpen selbständig unterwegs waren. Wir konnten mäßig schwere Klettertouren machen und waren an den Normalwegen auf die Viertausender unterwegs, manchmal durfte es ein bisschen mehr sein. Im Winter mit Tourenski. Für die höchsten Berge ist man damit nicht qualifiziert, eigentlich. Andererseits ist es so, dass heute Menschen auf die höchsten Berge geführt werden, die weit weniger alpinistische Expertise haben, als wir zu unseren guten Zeiten hatten.

Doch dann hat mich der Dämon heimgesucht. Zwei weitere Nepalreisen folgten. Mehr erleben, höher steigen extremere Geschichten erzählen. Keine Ruhe geben, wie Kinder, die nicht aufhören können.

Welcher Zwang treibt uns in Regionen, in die Menschen nicht gehören, die lebensfeindlich sind? In Höhen über 5300 Meter kann kein Mensch dauerhaft leben, jenseits von 7000 Meter stirbt man, je höher, desto schneller. Das ist bekannt, da gibt es keine Grenzen auszuloten. Welche Leistung hat man vollbracht, wenn aus der Todeszone lebend zurückkommt? Moderne Bergtouristen schaffen das mit ausgefeilter Logistik, Sauerstoff in Flaschen und individueller Führung. Finden sie dort oben einen Gott, Magie und Mystik? Sind es nicht doch Konkurrenz, Hauen und Stechen? Ist es nicht eher ein zeitlich begrenzter Aufenthalt zwischen Leichen, Scheiße und Müll?

Wir haben keine spirituellen Reisen gemacht. Was die tiefe Kultur Nepals sein soll, offenbarte sich uns nicht. Nepal ist ein multiethnisches Land mit einer Vielzahl von Religionen, es ist ein Land vieler Kulturen, man spricht von einem Minoritäten Mosaik. Bunte Fähnchen, Manisteine, Gebetsmühlen, Stupas, ab und zu ein buddhistischer Mönch, der rituelle Handlungen vornimmt? Eher fanden wir die Menschen technikaffin und an der Welt jenseits ihrer Täler interessiert. Wir sahen abgeholzte Hänge in den Bergen, schutzlos der Erosion ausgesetzt. Müll an allen bewohnten Orten. Wichtige Bedürfnisse, die wir wahrnahmen, waren die nach sauberem Wasser, Elektrizität, Gesundheitsversorgung, Bildung, Müllabfuhr, winterfesten Häusern und nach besseren Straßen und Wegen. Sherpas, die zu Geld kommen, schicken ihre Kinder nicht ins Kloster sondern ins Internat nach Kathmandu und danach zum Studium in die USA. Vielleicht waren das auch nur unsere privaten Beobachtungen und wir waren einfach nicht offen für göttliche Erfahrungen auf dem Dach der Welt.

Unter welchen Umständen leben die Menschen in Nepal? Der soziale Alltag wird bis heute durch ein rigides Kastensystem bestimmt, auch wenn dies vom Gesetzgeber nicht vorgesehen ist. Soziale Mobilität ist extrem eingeschränkt. Kinderehen sind bis heute üblich. Mädchen und Frauen sind in ihrer Selbstbestimmung behindert. Es gibt riesige soziale Unterschiede im Land, die Bevölkerungsmehrheit lebt in bitterer Armut, Korruption ist fester Bestandteil auf allen administrativen Ebenen. Seit 2008 ist Nepal eine Republik, bis dahin war Nepal ein hinduistisches Königreich mit Zügen einer absolutistischen Monarchie. Das Land, das uns Reise – und Expeditionsveranstalter präsentieren, hat kaum etwas mit der Realität zu tun. Sie handeln mit dem, was sich Kunden erträumen. Sie verhalten sich wie Zuhälter der hohen Berge.

Beide weiteren Reisen, die wir nach Nepal unternahmen, verliefen nicht wunschgemäß. In der Nachmonsunzeit, in der wir das Land besuchten, naht der Winter. Wir erlebten zwei Mal einen Wintereinbruch mit Schnee bis in tiefe Lagen. Auf dem Anmarschtrecking blieben die Kolonnen im Schnee stecken, die Basislager haben wir nicht erreicht, keinen Schritt in Richtung Gipfel der angestrebten Ziele unternommen.

Muktinath ist ein Wallfahrtsort in der Annapurna Region. Der Wunsch einen 7000er zu besteigen war im Schnee und in der Kälte steckengeblieben. Dann wenigstens Muktinath mit seinen heiligen Quellen. Es gab drei Tage Expeditionszeit im Ort zu vertrödeln. Wir waren auf dem klassischen Annapurna Trek über den Thorung La nach Muktinath gekommen. Jeden Morgen nach dem Frühstück brachen wir zu einem Dorfrundgang auf. Es gab immer etwas zu sehen. In so einem touristisch erschlossenen Ort fällt man nicht weiter auf, und schon nach zweit Tagen kennen einen die Dorfbewohner offensichtlich. Es waren mindestens sechs Männer, die uns am dritten Morgen bei unserer Runde durchs Dorf begegneten. Sie führten ein ausgewachsenenes Yak am Strick mit sich, steuerten eine Wiese auf einem freien Platz mitten im Dorf an. Das schien eigenartig. Was wollten die dort mit dem Yak? Sie trugen einiges an Gerätschaften mit sich. Säcke, Eimer, Messer, eine Axt, irgendwas wie eine Säge. Das Yak trottete brav mit. Was hatten die vor? Wir spürten, da passiert jetzt irgendwas Spezielles, das machen die auch nicht jeden Tag. Sie breiteten eine stabile Blaue Folie auf der Wiese aus., banden die Beine des Yak zusammen und brachten das Tier zusammen zu Fall. Jetzt ging es ganz schnell. Einer der Männer hatte ein Messer in der Hand, zog den Kopf des Yak an den Hörnern zurück und führte einen schnellen Schnitt über die Kehle durch. Ein zweiter fing in einem Eimer das Blut auf, das aus dem Schnitt strömte, zuerst in kräftigem pulsierenden Strahl, dann schnell versiegend. Alles geschah nahezu lautlos, die Männer verständigten sich sehr leise miteinander, fast flüsternd, das Tier schien sich in sein Schicksal ergeben zu haben, wir konnten nichts hören. Ein letztes Zucken der Beine meinten wir gesehen zu haben. Mit Schnitten und Hieben zerlegten die Männer das Tier, zogen das Fell ab, entnahmen die Innereien. Kaum eine Stunde später verließen sie den Platz, jeder trug einen prall gefüllte Sack über den Schultern, in einer Hand Schlachtwerkzeuge. Wir trauten uns jetzt auf die Wiese. Wir befürchteten, allerhand ekelhafte Schlachtabfälle zu finden. Standen aber auf trockenem Gras. Kein Tropfen Blut, keine Reste des getöteten Tiers, keine Abfälle

Die Männer verabschiedeten sich voneinander, gingen zu ihren Wohnhäusern. Dor wartete bereits der Rest der Familie. Die würde noch einiges damit zu tun haben, Fleisch, Haut, Knochen, Innereien weiter zu verarbeiten, manches auch haltbar zu machen. Ja, in guten Jahren werde zwei oder drei Mal von mehreren Familien zusammen ein Yak geschlachtet, wurden wir beschieden. Das ganze Tier werde verwertet, mehr Fleisch gebe es nicht zu essen, vielleicht noch ab und zu ein Huhn. Kaufen könnten sie in Muktinath kein Fleisch, einen Marktstand gebe es manchmal in Kagbeni, dem nächsten Ort. Sicher nur in Jonsson, dem Zentrum der Region im Kali Gandaki Tal. Es sei ein langer Weg dorthin und zurück, an einem Tag nur mit Mühen zu schaffen.

Die meisten Teilnehmer solcher Gruppereisen beschäftigen sich bevorzugt mit sich selbst, es gibt immer viel zu besprechen. Land und Leute nimmt man als exotisches Begleitprogramm wahr. Für Touristen ist Nepal bis heute ein billiges Reiseland. Unsere Wünsche erfüllen wir uns buchstäblich auf dem Rücken der Menschen in Nepal. Für ein paar Rupien tragen sie uns alles in die Berge, was wir für unser Wohlbefinden brauchen. Das ist heute nicht anders.

Im Abstand von einigen Jahren stehe ich dem Treiben kritisch gegenüber. Da ist eine Scham. Es hätte bei der ersten Reise bleiben können. Weshalb immer mehr? Ich persönlich habe im Himalaya am Ende nie einen höheren Gipfel erreicht. Das beeinflusst meine Rückschau, mein Urteil. Was ich nicht haben konnte, rede ich schlecht. Diese Urteil nehme ich an. Das ist auch ein Teil meiner Wahrheit, so bauen wir unsere persönliche Wirklichkeit.

Was lernen wir aus diesen Formen des Tourismus? Erstens: Menschen nutzen die Natur zur Verwirklichung ihrer Bedürfnisse nach persönlichem Wert. Je höher der Berg, desto bedeutender bin ich. Zweitens: Die Natur kennt keine Gnade mit den Menschen, die sie als Bühne nutzen, unsere Bedürfnisse kümmern die Natur nicht. Wer zum falschen Zeitpunkt im Aufstieg ist, wer sich selbst überschätzt, nimmt schweren Schaden oder stirbt. Drittens: Unser persönliches Risikomanagement ist sehr bescheiden, wir erkennen Gefahren nicht und überschätzen uns selbst.